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Interdisziplinäre Therapie


Behandlungs- und Förderkonzept für Kinder mit emotionalen Störungen auf dem Hintergrund einer Lese- Rechtschreibstörung und / oder einer Rechenstörung - Dyskalkulie

1.    Diagnostik einschließlich der Anamnese und Sozialanamnese mit Einbeziehung der Schule ( Informationssammlung )

2.    Familiengespräche ( fokale Beratung ) und ggf. Familientherapie

3.    Ergotherapie mit Schwerpunkt der Handlungsebenen / Körperwahrnehmung

4.      Interdisziplinäre Zusammenarbeit        
      
Notwendige Adaptionen und Abstimmung der Therapeuten / Ärzten /Lehrern
  
    Eltern und anderen beratenden Personen

1.1    Die Diagnose

Welche Begabung hat das Kind. Hierbei geht das Spektrum einerseits von Minderbegabung bis hin zu Hochbegabung, aber auch in welcher Richtung bewegen sich die Begabungen, eher sprachlich oder kreativ oder mathematisch. Eine Differenzialdiagnostik bezüglich der kognitiven- und perzeptiven Möglichkeit des Kindes geben hierzu Aufschluss.

1.2    Die Erwartung der Familie

Hier ist abzuklären, welche Erwartungen hat eine Familie an das Kind. Welche unbewussten Delegationen teilweise über Generationen hinweg gibt es an das Kind. Beispielsweise soll das Kind stellvertretend für nicht eingelöste Bildungs- oder Karriereansprüche die in der Familie bestehen, etwas erfüllen, was ihm gar nicht angemessen ist oder alternativ dazu, darf es bestimmte Ziele, die ihm angemessen sind nicht verfolgen, weil sie familiär nicht anerkannt sind, beispielsweise kreative Entwicklung.

1.3    Aktuelle Problematik

Welche ganz aktuellen Konflikte sind über die "Störung" in der Familie entstanden, die einer sofortigen Intervention bedürfen, um dem Kind Freiräume zu verschaffen, die einer Verfestigung seiner Lernstörung entgegenwirken. ( Organisierung von Notenschutz, Entlastung des Kindes und der Eltern ) Hier sind auch die unterschiedlichen Persönlichkeitsstrukturen in Familien einzubeziehen, die in Extremfällen auch ein Kind in seiner Entwicklung hemmen können, beispielsweise in dem von bestimmten Erwartungsvorstellungen nicht abgewichen werden kann.

1.4    Frühdiagnostik

Schulschwierigkeiten lassen sich oft bereits im Kindergarten absehen. Es fallen besonders auf Kinder mit sehr aggressiven und dominanten Verhalten, aber auch Kinder die in sich zurückgezogen sind und die wenig aktives Spielverhalten entwickeln. Alle müssen auf ihre Art besonders gefördert werden und zwar in ihrem jeweiligen familiären Zusammenhang wobei hier immer die gesamte Familie mit zu unterstützen und einzubeziehen ist.

1.5    Familientherapeutische Ziele

Beim Thema LRS / Dyskalkulie geht es in familientherapeutischer Hinsicht darum, das Kind / die Familie zu entlasten, Stärken des Kindes herauszufinden und durch Stärkung des Selbstbewusstseins einer emotionalen Störung, die sich auf Grund der LRS / Dyskalkulie herausgebildet hat entgegenzuwirken. Festgefahrene Kommunikations- und Konfliktstrukturen sollen versucht werden, zu durchbrechen. Fixierung in der Familie bezüglich Bildungszielen sollen hinterfragt und aufgehoben werden.

1.6    Anamneseerhebung ( Kind- und Familienanamnese )

Schwangerschaft, Geburt und allgemeine Entwicklung des Kindes sowie der Familienmitglieder.

1.7    Sozialanamnese unter Einbeziehung der Schule

Sozialentwicklung des Kindes in Familie, Kindergarten und Schule.

1.8    Zusammenstellung der bedeutsamen Aspekte

Zusammenstellung der bedeutsamen Aspekte der Punkte aus Vorstehendem Vordergrund / Hintergrundanalyse und Vorgehensweisen.

2.      Familienberatung

2.1    Familiengespräche

Zur Entlastung und zur Aufklärung über die Schwierigkeiten des Kindes mit der Darstellung von Veränderungsmöglichkeiten innerhalb des Familiensystems.

2.2    Ggf. Familientherapie

Bei Konflikten die sich zusätzlich ungünstig auf die Problematik des Kindes auswirken. Welche Persönlichkeitsstrukturen sind in der Familie vorhanden, und welche Ressourcen stehen zur Verfügung.

3.    Ergotherapie

3.1  Diagnostik

Die ergotherapeutische Diagnostik fließt im o.g. Punkt 1 mit ein. Entsprechende Testverfahren wie K-ABC, DTVP-", BISC, MOT, LOS 18, Bremer- Lautdiskriminationstest, DP1 u. 2, DRT-2,3,4, Hamburger Schreibprobe 5-9, Kieler Rechtschreibtest, Züricher Lesetest, Würzburger Rechtschreib- und Lesetest, Test zur sensorischen Integration. Da die Tests zum Teil sehr umfangreich sind, sollten diese zunächst nur teilweise eingesetzt werden, um das Kind / Jungendlichen nicht zusätzlich zu belasten.

3.2    Fähigkeiten / Schwierigkeiten

Die Fähigkeiten und Schwierigkeiten des Kindes werden in die ergotherapeutische Förderung auf der Handlungsebene adäquat berücksichtigt, sodass das Kind unter Einbeziehung der Köpererfahrung soviel als möglich Erfolgserlebnisse hat. Diese wirken sich positiv auf seine Stabilität und auf sein Leistungsvermögen aus ( u.a. Konzentration, Ausdauer, Frustrationstoleranz, Selbstregulation ).

3.3    Emotionale Probleme  

Die generellen Schwierigkeiten des Kindes in seinen Wahrnehmungsverarbeitungssystemen haben oft zur Folge dass das Kind emotionale Probleme entwickelt, die sich unbehandelt in einer manifesten Störung und / oder einer psychischen Behinderung auswirken.

3.4    LRS - Lese- Rechtschreibstörung

Die Besonderheit einer LRS in neurophysiologischer Hinsicht ist das Unvermögen oder die besondere Einschränkung verschiedene Wahrnehmungsleistungen zu einer Leistung zu verknüpfen, d.h. die Verbindung zwischen Phonem und Graphem wird nur ungenügend gebildet und auch nicht adäquat gespeichert. Die für diese komplexe Leistung benötigten Wahrnehmungsverarbeitungssyteme sind:
Die für diese komplexe Leistung benötigten
Wahrnehmungsverarbeitungssysteme sind : Auditives System, visuelles System, vestibuläres System, taktiles System, propriozeptives System sowie die kognitiven bereichen von Konzentration, Ausdauer und innerem Antrieb.

3.5    Dyskalkulie / Rechenschwäche

Wie unter 3.4 beschrieben ist bei einer Rechenschwierigkeit / Dyskalkulie zudem im besonderen das seriale und taktil- kinästhetische, bilateralintegrative Wechselspiel nicht genügend entwickelt. Dem Wechselspiel der intrahemisphärischen Verarbeitung kommt jedoch besondere Bedeutung zu, da die Rechenleistung sich aus einer Analyse und Synthese sowie dem Abstraktionsvermögen ausbilden.

3.6    Behandlung

Die ergotherapeutische Intervention setzt an den Stärken des Kindes an. Die allgemeine Vorgehensweise ist davon geprägt, dass Kinder in der Gestalt gefördert werden dass Sie Erfolgserlebnisse im sensomotorischem Erfahrungsraum erleben und somit sich die Wahrnehmungsverarbeitung global - integrativ verbessert ( global- integratives Modell bezogen auf entsprechende neuronale Verarbeitung ).
Diese basalen Aktivitäten dienen der Bahnung von Voraussetzung, die für den Erwerb von Kulturtechniken unabdingbar sind.
Gezielte Spielaktionen mit Materialien die im besonderen die unter 3.4 und 3.5 genannten Aspekte in den Vordergrund stellen, werden im Anschluss daran eingesetzt.
Der Schwierigkeitsgrad der Angebote richtet sich nach den Fähigkeiten / Einschränkungen des Kindes und sollte sich zwischen einer Überforderung und Unterforderung bewegen. Verschiedene Förderprogramme wie z.B. Marburger Rechtschreibtraining, Kieler- Lese- und Rechtscheibaufbau, Kieler Zahlentreihe- und Bilder, Förderprogramme nach Breuer-Wolfen, Grissmann, Reuter- Liehr.
Verschiedene Computerprogramme, die gezielt auf die Förderung von Kindern mit einer LRS bzw. Dyskalkulie ausgerichtet sind, kommen je nach Schwerpunkt des Kindes ebenso zu Einsatz.

4.     Interdisziplinäre Zusammenarbeit

Eine große Bedeutung kommt der Kooperation aller im Kontext zum Kind stehenden Beteiligten zu, da sich das Kind z.T. unterschiedlich verhält und je nach Situation auch unterschiedliche Fähigkeiten / Einschränkungen aufweist.
Um dem Kind eine ganzheitliche Förderung ermöglichen zu können ist das Zusammentragen der vielen Teilaspekte unumgänglich.
Die Kooperation ermöglicht zudem eine leichtere Verknüpfung einzelner Therapien und den eventuell entstehenden Anpassungen bzw. Entwicklungen.